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Genmanipulierte Lebensmittel

Nach dem EU-Genfood-Moratorium von 1998 ist die US-Maisausfuhr nach Europa von 1,5 Millionen Tonnen auf magere 23.000 Tonnen geschrumpft. „Ausradiert“, sagt Hayden Milberg, Sprecher der National Corn Growers Association in St. Louis, die über 33.000 Maisbauern vertritt. Dies ist die andere Seite der Medaille: Im jüngsten Handelskrieg zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) über genveränderte Lebensmittel geht es weniger darum, „den Hunger der Welt zu stillen“, wie US-Präsident George W. Bush unlängst voller Pathos postulierte, sondern um die Milliardengeschäfte einer großen Industrie – und auch um die nackte Existenz der meisten US-Farmer.

Im „Spiegel“-Artikel „Im Würgegriff der Biotech-Konzerne“ wird auf das Paradoxe dieser Situation hingewiesen: Die Wirtschaftsmisere hat die US-Farmer in die Arme der Gentechnologie getrieben – und die wiederum verschärft nun die Misere weiter. Berüchtigtes Beispiel ist Monsantos „Terminator“-Saatgut. Dessen Keime sind sterilisiert worden, damit sie sich nicht fortpflanzen können. Folge: Die Farmer müssen jedes Jahr wieder ganz neue Saat kaufen. (Wegen öffentlicher Kritik verzichtet das Unternehmen vorerst auf die Markteinführung.)

In der „SZ“ warnt Jeremy Rifkin die Alteuropäer: Führt bloß keine genmanipulierte Nahrung ein! Die Amerikaner setzen Europa zur Zeit stark unter Druck, die Einfuhr gentechnisch veränderter Nahrungsmittel zuzulassen. „Nur nicht nachgeben“, meint er. Bushs Argument, Europa nehme „mit seinem Widerstand sehenden Auges den Tod von Millionen hungernder Menschen in der Dritten Welt in Kauf“, findet er perfide. Denn die „darbenden Bauern Afrikas“ könnten sich gar kein Gen-Saatgut leisten. „… weil Gen-Saatgut dem Patentschutz unterliegt, sind die Bauern nicht in der Lage, das neue Saatgut auf Vorrat zu kaufen, um es im nächsten Frühjahr auszusäen, denn dieses Saatgut gehört den Biotech-Firmen“, und die sind amerikanisch. Vielleicht hat der Streit jedoch sein Gutes, meint Rifkin: „Wie schon die Irak-Krise eint die Schlacht um Gen-Food die europäische Öffentlichkeit. Sie stärkt den Sinn einer gemeinsamen europäischen Identität.“

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